Satan, Teufel und Lucifer
in der Tradition des Alten und Neuen Testaments

von Thomas Arnt

Dieser Artikel war zuvor Bestandteil des Faust-Lexikons und ist hier aktualisiert und erweitert.

 Im antiken Babylon wurde die Venus mit dem Namen 'Lucifer' als "Tagesstern", "Sohn der Morgendämmerung" bezeichnet. In der christlichen Tradition wird Lucifer mit Satan identifiziert, dem 'Widersacher', so die Bedeutung des hebräischen Wortes (arabisch: schajtan). Übersetzt wird der Begriff 'Satan' in der Bibel auch oft mit 'Teufel'. Beide Begriffe werden dort synonym gebraucht, z.B. bei Matthäus:

4,8 Wiederum nimmt der Teufel ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 4,9 und spricht zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfallen und mich anbeten willst. 4,10 Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen."

Der Begriff 'Teufel' geht nach der Duden Etymologie zurück auf das griechische 'diábolos', was "Verleumder" heisst (latein: 'diabolus').

Zunächst wurde der Begriff `Teufel´ auch verwendet für Dämonen, wie sie z.T. aus heidnischen Religionen Eingang in das Christentum fanden. Doch diese Dämonen, die durchaus weiterhin als Gesandte Satans weiterexistierten, waren auch unter anderen Namen geläufig, z.B. `Beelzebul´ (vgl. z.B. Matthäus 10,25). Der Terminus `Teufel´ fand immer mehr ausschließliche Verwendung in seiner Bedeutung als Synonym für `Satan´.

Im Alten Testament hat Satan eine noch sehr untergeordnete Bedeutung. Er tritt auf als Teil der göttlichen Ordnung, als Kundschafter Gottes, der Nachrichten über die Menschen sammelt, so z.B. in Hiob:

1,6 Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor dem HERRN einzufinden. Und auch der Satan kam in ihrer Mitte. 1,7 Und der HERR sprach zum Satan: Woher kommst du? Und der Satan antwortete dem HERRN und sagte: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandern auf ihr.

Im Neuen Testament wandelt sich dann seine Bedeutung hin zum Führer eines eigenen Reiches, dessen Fürst er ist. Auch er führt, wie Gott, Engel an (vgl. Matthäus 25,41: "Dann wird er auch zu denen zur Linken sagen: Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!"). Sein Reich ist das Gegenreich zum göttlichen, die Finsternis, die dem Licht gegenübersteht, das Böse, das gegen das Gute kämpft.

Der Teufel ist der 'Vater der Lüge' (Johannes 8,44: "Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben."), außerdem der "Fürst der Welt" (Joh. 14,30) und - eine sehr denkwürdige Bezeichnung - der "Gott dieser Welt" (2. Kor. 4,4) sowie Drache und Schlange in der Offenbarung:

20,1 Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herabkommen, der den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand hatte. 20,2 Und er griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre 20,3 und warf ihn in den Abgrund und schloß zu und versiegelte über ihm, damit er nicht mehr die Nationen verführe, bis die tausend Jahre vollendet sind. Nach diesem muß er für kurze Zeit losgelassen werden.

Der Verrat des Judas an Jesus ist ein Werk Satans:

22,1 Es nahte aber das Fest der ungesäuerten Brote, das Passah genannt wird. 22,2 Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn umbringen könnten, denn sie fürchteten das Volk. 22,3 Aber Satan fuhr in Judas mit Beinamen Iskariot, der aus der Zahl der Zwölf war. 22,4 Und er ging hin und besprach sich mit den Hohenpriestern und Hauptleuten, wie er ihn an sie überliefere. 22,5 Und sie waren erfreut und kamen überein, ihm Geld zu geben. 22,6 Und er versprach es und suchte eine Gelegenheit, um ihn ohne Volksauflauf an sie zu überliefern. (Lukas)
13,2 Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons [Sohn], dem Iskariot, es ins Herz gegeben hatte, daß er ihn überliefere, 13,3 steht [Jesus] - im Bewußtsein, daß der Vater ihm alles in die Hände gegeben und daß er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe - 13,4 von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. (Johannes)
13,18 Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich erwählt habe; aber damit die Schrift erfüllt würde: `Der mit mir das Brot ißt, hat seine Ferse gegen mich aufgehoben. 13,19 Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt, daß ich es bin. 13,20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. 13,21 Als Jesus dies gesagt hatte, wurde er im Geist erschüttert und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern. 13,22 Da blickten die Jünger einander an, in Verlegenheit darüber, von wem er rede. 13,23 Einer von seinen Jüngern, den Jesus liebte, lag zu Tisch an der Brust Jesu. 13,24 Diesem nun winkt Simon Petrus und spricht zu ihm: Sage, wer es ist, von dem er spricht. 13,25 Jener lehnt sich an die Brust Jesu und spricht zu ihm: Herr, wer ist es? 13,26 Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen, wenn ich ihn eingetaucht habe, geben werde. Und als er den Bissen eingetaucht hatte, nimmt er ihn und gibt ihn dem Judas, Simons [Sohn], dem Ischarioth. 13,27 Und nach dem Bissen fuhr dann der Satan in ihn. Jesus spricht nun zu ihm: Was du tust, tu schnell! 13,28 Keiner aber von den zu Tisch Liegenden verstand, wozu er ihm dies sagte: 13,29 Denn einige meinten, weil Judas die Kasse hatte, daß Jesus zu ihm sage: Kaufe, was wir für das Fest benötigen, oder daß er den Armen etwas geben solle. 13,30 Als nun jener den Bissen genommen hatte, ging er sogleich hinaus. Es war aber Nacht. (Johannes)

Dargestellt wird Satan bzw. der Teufel oftmals als Wesen, das zur Hälfte Mensch, zur Hälfte Tier ist.

Mit ihrer Darstellung von Satan / vom Teufel konstruiert die Bibel einen innerhalb ihres Kontextes unauflöslichen Widerspruch zwischen den beiden Machtbereichen, dem Gottes und dem des Teufels, und der göttlichen Ursächlichkeit des Bösen. Der Teufel ist Teil der göttlichen Schöpfung und trotzdem ihr entgegengesetzt.

Erst durch den Fall des Engels Lucifer, der allerdings nur außerhalb des kanonischen Textes Erwähnung findet, wird dieser Widerspruch aufgelöst.
Lucifer (lat. der Lichtbringer) war der Schönste der Engel und wurde von Gott aus dem himmlischen Reich verstoßen. In diesen Kontext passt durchaus der oben zitierte Text aus Hiob.

Auch Goethe hing dieser Vorstellung an und hat sie möglicherweise in einer frühen Konzeption des Faust eingearbeitet (s. Kap. 3.1.2 sowie Anm. 293).

 

Literatur (s. auch Quellen und weiterführende Literatur):

Simmel, Stählin, Hg., Das Fischer Lexikon. Christliche Religion, Frankf./M. 1957, Artikel 'Engel'

Messadié, Teufel, Satan, Luzifer. Universalgeschichte des Bösen, Frankf./M. 1995

Duden Etymologie, Artikel 'Teufel'

Microsoft Encarta Enzyklopädie, Artikel 'Teufel'

Bibelzitate aus: Elberfelder Bibel, R. Brockhaus Verlag, 1985